Sterbebegleitung

Im Moment des Todes tritt ein aussergewöhnliches Ereignis in Erscheinung. Wenn die Neventätigkeit erlischt und das Gehirn aufhört zu arbeiten, öffnet sich ein Tor zwischen den Dimensionen. Die Schleier zwischen den Welten teilen sich und ermöglichen dem Sterbenden, die Welt des Spirits zu betreten. Nach dem Tod löst sich das LEF vom Körper. In den Sterberitualen lassen wir jedes der sieben körperlichen Chakren los. Wir trennen den leuchtenden Körper vom physischen Körper und versiegeln die Chakren, sodass sich die Seele nicht wieder mit dem Leichnam verbinden kann. Wenn wir die Chakren vom physischen Körper lösen, geben wir der Erde das zurück, was schon immer der Natur gehörte, und dem Himmel das, was schon immer ein Teil des Spirits war. Die Sterberituale helfen der sterbenden Person, in die Unendlichkeit zurückzukehren. Sie umfassen drei Stufen:

Der Mensch kann
nicht tausend Tage
ununterbrochen
gute Zeit haben,
so wie die Blume
nicht hundert
Tage blühen kann.
 
– Tseng-Kuang –
Rekapitulation und Vergebung

Wir möchten einem geliebten Menschen helfen, mit seinem Leben abzuschliessen. Wer es geschafft hat, mit seiner weltlichen Existenz abzuschliessen, durchläuft mühelos die Bereiche nach dem Tod. Rekapitulation und Vergebung vollenden ein gelebtes Leben. Ereignisse der Vergangenheit brauchen dann nicht während des Lebensrückblicks, der auf der anderen Seite des Lebens stattfindet, vergeben werden. Wie bereit sind wir, uns selber zu vergeben? Es ist sehr entscheidend, dass in der Familie genügend Raum für Vergebung und Liebe gegeben wird, die im Verlauf des Lebens nicht ausgedrückt werden konnte. Die Versöhnung mit der Familie ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die sterbende Person friedlich in eine andere Welt übergehen kann. Ein ganzes Leben voller Missverständnisse und falscher Erwartungen kann durch  Vergebung am Ende des Lebens geheilt werden.

Die Erlaubnis zum Sterben geben

Der vielleicht wichtigste Moment der Sterberituale besteht darin, der geliebten Person die Erlaubnis zum Sterben zu geben. Wenn ein geliebter Mensch nicht die Erlaubnis zum Sterben bekommt, klammert er sich möglicherweise monatelang ans Leben, wodurch er nur unnötig leidet und der Familie enbenfalls grosse Qual bereitet. Die Erlaubnis muss von den nächsten Angehörigen kommen.

Die letzten Rituale

Die letzten Rituale bestehen aus zwei Schritten: dem Illuminationsprozess und dem Loslösen des Leuchtenden Energiefelds. Durch den Illuminationsprozess können wir einen Raum erzeugen, in dem ein geliebter Mensch Gnade und Befreiung erfahren kann. Die Vorstellung, man müsse ein ganzes Leben in ein paar Tagen heilen, kann schnell zu einem Gefühl der Hilflosigkeit führen, zumal der geliebte Mensch nicht mehr lange lebt. Für Heilung ist es niemals zu spät.

Der Illuminationsprozess verbrennt die Energie in den Chakren und löscht die Abdrücke im LEF. Dies erleichtert den Lebensrückblick in der Spirit-Welt, da die meisten Dinge nun nicht mehr emotional blockiert sind. Der Körper weiss, wie es ist zu sterben, denn er weiss auch, wie es ist, geboren zu werden.

Aus „Das geheime Wissen der Schamanen“ von Alberto Villoldo